Die 7 Arten der Erholung: Wie du dich am besten erholst.

von | Erholung & Abschalten nach der Arbeit

Wann warst du das letzte Mal so richtig erholt? Lerne die 7 Arten der Erholung kennen und erfahre wie du dich am besten erholst – auch ohne Urlaub.

Iris in der Natur, wie sie eine Art der Erholung erlebt

Um richtig zu erholen braucht es verschiedene Arten der Erholung

Viele Menschen verbinden mit dem Wort Erholung vor allem passiv verbrachte Zeit wie Schlafen oder am Sofa abhängen. Dr. Saundra Dalton-Smith, Internistin und Autorin des Buchs Sacred Rest: Recover Your Life, Renew Your Energy, Restore Your Sanity, beschreibt in ihrem Buch, dass wir verschiedene Arten der Erholung brauchen, um wirklich zu regenerieren. In ihrem 7 Types of Rest Framework™ unterscheidet sie sieben unterschiedliche Erholungsformen, die jeweils verschiedene Bedürfnisse des Körpers, des Geistes und der Psyche adressieren.

Ein ähnliches Konzept bietet das sogenannte DRAMMA-Modell der Erholung, das 6 entscheidende Faktoren für wirksame Erholung beschreibt und das ich in meinem Artikel Das Geheimnis wahrer Erholung näher beschrieben habe. Wie genau die einzelnen Arten der Erholung genannt werden, spielt nur eine untergeordnete Rolle, wichtig ist aber zu verstehen, dass richtige Erholung unterschiedliche Bedürfnisse adressiert und nicht nur bedeutet etwas zu rasten oder in den Urlaub zu fahren.

Die 7 Arten der Erholung nach Dalton-Smith

1. Körperliche Erholung

Die körperliche Erholung  umfasst sowohl passive wie aktive Regeneration. Typische Beispiele für passive Erholung sind Schlafen oder ein Nickerchen machen.  Aktive körperliche Erholung umfasst beispielsweise Aktivitäten wie Yoga, Stretching, Spaziergänge, Atemübungen oder Massagen. Was einem richtig gut tut und Spannungen abbaut ist individuell und Dalton-Smith empfiehlt herauszufinden, welche Arten der aktiven physischen Erholung uns besonders hilft.

Sie rät außerdem  sehr genau den Signalen unseres Körpers zuzuhören und Warnsignale wie ein schwaches Immunsystem mit häufigen Erkältungen und Erkrankungen, Schlafprobleme trotz Müdigkeit, häufige Muskelschmerzen und fehlende Energie ernst zu nehmen. 

2. Geistige Erholung

Ständiges Grübeln, volle To-Do-Listen im Kopf und das Gefühl, nicht abschalten zu können – das sind alles Zeichen für ein mentales Erholungsdefizit. Für viele fühlt es sich so an, als wäre der Kopf ständig „eingeschaltet“ und käme nicht zur Ruhe.

Wie genau dieser geistige Lärm aussieht, dass kann sich von Person zu Person unterscheiden, oft zeigt er sich daran, dass wir an etwas anderes denken als womit wir gerade beschäftigt sind oder an einen fortlaufenden inneren Monolog mit sich wiederholenden Gedanken. Vielleicht gehst du auch bestimmte Ereignisse des Arbeitstages immer wieder durch und versuchst sie geistig umzuschreiben mit dem was du gerne gesagt oder getan hättest? Fest steht, geistige Erschöpfung kennen die meisten von uns, aber oftmals haben wir keine wirksamen Methoden, um diese Art der Erholung gezielt zu erleben und uns geistig zu regenerieren.  

Wenn die mentale Erschöpfung überhand nimmt, zeigt sich das durch bestimmte Symptome. Dr. Saundra Dalton-Smith beschreibt typische Anzeichen, die darauf hinweisen, das jemand zu wenig geistige Erholung hat:

  • Wenn eine Person das Gefühl hat, mental nicht mehr mit ihrer To-Do-Liste mithalten zu können
  • Wenn eine Person häufig Frustration oder Irritation erlebt, wenn sie an ihren Tag denkt
  • Wenn du den großteils des Tages mit Aufgaben verbringst, die dich mental überfordern

Um uns mental zu erholen, ist es erforderlich abschalten zu können und wieder Ruhe im Kopf zu erlangen. Im DRAMMA-Modell der Erholung wird in diesem Zusammenhang von „Detachment“ bzw. „Mentalen Abschalten“ gesprochen. Eine Längsschnittstudie mit 279 deutschen Arbeitnehmer:innen konnte zeigen, dass Abschalten ein ausschlaggebender Faktor für das persönliche Wohlbefinden ist.

Bewusste Pausen während des Arbeitstages, ein klarer Übergang zwischen Arbeit und Freizeit oder spezielle Abschaltübungen helfen, mentale Müdigkeit zu reduzieren. Weitere Tipps zum Thema Abschalten findest du in meinen Artikeln Abschalten nach der Arbeit: 7 Tipps für mehr Erholung sowie Nach der Arbeit abschalten: So bekommst du abends deinen Kopf frei.

3. Emotionale Erholung

Emotionale Erholung bedeutet, authentisch sein zu dürfen, ohne sich verstellen zu müssen, und einen sicheren Raum zu haben, um Gefühle auszudrücken. Im Arbeitsalltag ist es oft nicht so leicht, tatsächlich authentisch zu sein und die eigenen Gefühle nicht hinter einem professionellen Auftreten zu verbergen.

Dr. Saundra Dalton-Smith erzählt in ihrem Buch im Kapitel zur emotionalen Erholung, wie sie bei einer großen Konferenz für Frauen in der Medizin durch einen Vortrag und einen Austausch in Kleingruppen die anwesenden Medizinerinnen dazu anregen sollte, sich zu öffnen und über Aspekte ihres Lebens zu sprechen, die sie beschäftigten. Doch kurz vor ihrem Vortrag wurde ihr klar, dass diese Frauen emotionale Mauern aufgebaut hatten, da es das war, was ihnen in ihrer Ausbildung beigebracht wurde, genauso wie auch bei Dalton-Smith selbst. Sie änderte spontan die vorbereitete Rede und sprach sehr ehrliche und persönliche Worte, die bei vielen Zuhörerinnen etwas auslösten und sie sogar zu Tränen rührten.

Die Erwartung – insbesondere im beruflichen Kontext – Gefühle zu unterdrücken und sie nicht zu zeigen ist jedoch nicht auf ein medizinisches Umfeld beschränkt. Ich war in vielen unterschiedlichen Branchen tätig und habe nie erlebt, das Emotionen im Arbeitsalltag wirklich willkommen waren. Aber auch im Privatleben kann das Zeigen von Emotionen nicht so erwünscht sein.

Emotionale Erholung entsteht dann, wenn wir nicht mehr das Gefühl haben, den Erwartungen anderer entsprechen zu müssen und wir unsere emotionale Energie wieder aufladen können.

4. Soziale Erholung

Menschen brauchen soziale Verbindung für ihr Wohlbefinden. So wird auch im DRAMMA-Modell soziale Verbundenheit als wesentlicher Erholungsfaktor identifiziert. Soziale Erholung bedeutet, Zeit mit Menschen zu verbringen, die uns guttun und Energie aus der sozialen Verbundenheit zu schöpfen. Einsamkeit hingegen ist für viele Menschen eine starke Belastung im Alltag.

Im Zuge meiner Ausbildung zur psychozialen Beraterin habe ich ein Praktikum als Sozialbegleiterin gemacht, bei dem es darum geht Menschen mit psychischen Erkranungen im Alltag zu begleiten, da sie oft besonders von Isolation und Einsamkeit betroffen sind. Für manche der Klient:innen ist der oder die Sozialbegleiter:in der einzige regelmäßige soziale Kontakt, den sie haben. Immer wieder zeigt sich, dass schon allein die Tatsache, dass da jemand ist, etwas im Leben der Betroffenen zum Positiven verändern kann.

Gleichzeitig muss gesagt werden, nicht alle sozialen Kontakte geben uns Energie. Manche Beziehungen erschöpfen uns und kosten uns Kraft. Auch die schiere Fülle an sozialen Kontakten durch soziale Medien kann uns überfordern. Soziale Erholung bedeutet auch, Kontakte, die uns Energie ziehen, zu reduzieren. 

5. Sensorische Erholung

Bildschirme, Lärm, grelles Licht, ständige Benachrichtigungen – unsere Sinne sind im Alltag durch Reize konstant stimuliert. Das hat sich in den heutigen Zeit potenziert, noch mehr, wenn wir in einer Großstadt leben. Dazu kommt noch die Allgegenwärtigkeit unseres Handys. Viele nehmen es gleich nach dem Aufstehen zur Hand, und auch während des Tages haben es die meisten Menschen nahe am Körper, es brummt und vibriert, wir hören einen Podcast während wir nach Hause fahren oder schauen Videos in der Mittagpause.

Sensorische Erholung bedeutet, diese Reize bewusst zu reduzieren: Handy weglegen, Augen schließen, in die Stille gehen. Diese Art der Erholung schafft Reizpausen, die das Nervensystem beruhigen. Schon kleine Unterbrechungen der Reizüberlflutung während des Tages können zur sensorischen Erholung beitragen.

6. Kreative Erholung

Diese Art der Erholung erweckt das Staunen in uns wieder. Sie entsteht durch das Erleben von Schönheit – sei es in der Natur, Kunst, Musik oder beim eigenen kreativen Schaffen.

Ich erlebe diese Art der Erholung insbesondere in der Natur. Ich kann mich auch an Bauwerken oder Kunstwerken erfreuen, es ist dennoch für mich nicht vergleichbar mit dem Augenblick bei einer Nebelwanderung, wenn sich der Nebel plötzlich lichtet und ich auf beindruckendes Bergmassiv sehe oder ich im warmen Meer schwerelos vor mich hin schnorchle und die Vielfalt der Fische beobachte. Der Arzt, Wissenschaftler und Autor Volker Busch spricht in diesem Zusammenhang von ozeanischen Gefühlen (nach dem französischen Schriftsteller Romain Rolland) und beschreibt es so: „Man ist fasziniert von dem, was man sieht, und kommt ins Staunen. Wir empfinden Erfurcht.“

Wie bereits bei den anderen Arten der Erholung ist es auch bei der kreativen Erholung individuell, was genau für dich dieses Gefühl auslöst.

7. Spirituelle Erholung

Hierbei geht es um das Gefühl von Sinn –  sei es durch Religion, Meditation, ehrenamtliche Arbeit oder Zeit in der Natur. Im DRAMMA-Modell der Erholung wird ebenfalls von Sinn als zentralen Erholungsfaktor gesprochen. Denn wenn unsere Zeit Bedeutung hat, dann steigert das unser Wohlbefinden und unsere Zufriedenheit. Wenn wir hingegen das Gefühl haben, nur zu funktionieren ohne tieferen Zweck, fehlt uns spirituelle Erholung.

Wenn wir zu wenig spirituelle Erholung erleben, zeigt sich das laut Dalton-Smith unter anderem darin, dass wir uns weniger zufrieden fühlen, vielleicht sogar das Leben als Verschwendung unserer Energie erleben und keine Motivation für unseren Alltag mehr haben. 

Fazit: Es braucht mehr als eine Art der Erholung, um sich richtig zu erholen

Das Konzept der sieben Erholungsarten erweitert das Verständnis von Erholung. Es zeigt ähnlich wie das DRAMMA-Modell der Erholung, dass es unterschiedliche Aspekte braucht, damit wir uns wirklich erholen und Energie gewinnen.  Es kann daher dabei helfen, genau dort anzusetzen, wo Erschöpfung entsteht, statt nur  oberflächliche Tipps für mehr Erholung zu geben. Das gelingt allerdings nur dann, wenn wir herausfinden, wie wir die unterschiedlichen Arten der Erholung für uns im Alltag erlebbar machen können. 

Ob man das alleine macht oder sich dabei Unterstützung holt, ist eine persönliche Entscheidung. Für Menschen, die sich einen strukturierten, ruhigen Rahmen dafür wünschen, habe ich mein 1:1 Training Feierabendfreiheit entwickelt.

Quellen - Zum Nach- und Weiterlesen

Busch, V. (2024): Kopf hoch! Mental gesund und stark in herausfordernden Zeiten. München: Droemer Verlag.

Dalton-Smith, S. (2017): Sacred Rest: Recover Your Life, Renew Your Energy, Restore Your Sanity. New York: Faith Words.

Dalton-Smith, S. (2019): The real reason why we are tired and what to do about it

 

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Foto von Iris Klawatsch

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Hi, ich bin Iris. Ich unterstütze vielbeschäftigte Menschen mit überlangen To-Do-Listen ihren individuellen Weg zu persönlicher Produktivität mit Wohlfühlfaktor zu finden und endlich wieder genug Zeit und Raum für sich zu finden.

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