Sonntagsangst loswerden: 10 hilfreiche Tipps, die dir deinen Sonntag zurückgeben

von Iris Klawatsch | 09.08.2026 | Stress und Überlastung im Arbeitsalltag

Eigentlich willst du noch dein Wochenende genießen, aber der Gedanke an die Arbeitswoche macht dich fertig? Sonntagsangst kann jeden treffen. Erfahre mehr über die Ursachen und wie du sie wieder loswirst.

Inhaltsübersicht

Wenn am Sonntagabend schon Unbehagen vor der Arbeitswoche da ist

Am Samstag hast du das Wochenende noch unbeschwert genossen, doch einen Tag später sieht es ganz anders aus. Du verbringst den Sonntag mit Gedanken daran, dass du morgen früh wieder zur Arbeit musst. In dir kommt Unbehagen auf oder gar Angst oder Panik, sodass du das restliche Wochenende kaum noch genießen kannst. 

Auch wenn Sonntagangst keine medizinische Diagnose ist, steckt dahinter ein ernstzunehmendes psychologisches Phänomen. Forschung zur Erholung von Arbeitsstress zeigt, dass viele Menschen am Wochenende nicht ausreichend von der Arbeit abschalten. Dadurch beginnt der Stress für die neue Woche bereits, bevor sie überhaupt angefangen hat.

Was ist Sonntagangst oder Sonntag Blues?

Sonntagsangst meint Unruhe, Anspannung, gedrückte Stimmung oder sogar Panik vor dem Beginn der Arbeitswoche, die typischerweise am Sonntag auftreten.

Zusätzlich zu dem Begriff Sonntagsangst (engl. Sunday Scaries) werden auch die Bezeichnungen Sonntag Blues , Sonntagsdepression oder Angst vor dem Montag verwendet. Eine eigenständige Diagnose existiert dazu allerdings nicht.

Üblicherweise setzt dieses Gefühl am Sonntagnachmittag ein und verstärkt sich bis zum Abend.  Du erkennst Sonntagangst an folgenden typischen Anzeichen:

  • ein Druckgefühl im Körper
  • Unruhe oder Nervosität 
  • steigende Anspannung
  • Grübeln und kreisende Gedanken über die kommende Woche
  • schlechte Laune bzw. Gereiztheit ohne erkennbaren Anlass
  • Das Gefühl, das Wochenende sei viel zu kurz gewesen
  • Schlafprobleme in der Nacht auf Montag

Warum entsteht Sonntagangst?

Warum geht es dir ausgerechnet am Sonntag schlecht?

Eigentlich ist es seltsam, wir habe noch frei und dennoch macht uns die kommende Arbeitswoche schon fertig. Das liegt daran, dass dein Stresssystem nicht nur auf das reagiert, was gerade passiert, sondern auch auf das, was dein Gehirn für die Zukunft erwartet.

So konnte in Studien gezeigt werden, dass der Cortisolanstieg direkt nach dem Aufwachen an Arbeitstagen höher ausfällt als an freien Tagen (Kunz-Ebrecht et al. 2004 und Chandola/Ling/Rouxel 2025). Ein morgentlicher Anstieg des Cortisolsspiegels ist grundsätzlich normal, ein erhöhter Wert deutet aber auf mehr Stress hin (mehr dazu in diesem Artikel).

Hinzu kommt, dass anstehende Veränderungen immer eine gewisse Art von Stress erzeugen. Der Gedanke wieder früh aufstehen zu müssen und zu Meetings, vollen To-Do-Listen und unerledigten Aufgaben oder nervigen Kolleg:innen zurückzukehren löst negative Gefühle in uns aus. Und manchmal ist es einfach schwer die Freiheit des Wochenendes wieder aufzugeben. 

4 häufige Ursachen für Sonntagsangst

Natürlich gibt es viele verschiedene Gründe, warum dich die Sonntags- oder Montagsangst überfallen kann. Oft liegt es aber an einen oder mehreren dieser Ursachen: 

  • Die kommende Woche ist unklar: Du weißt am Sonntag nicht, was dich Montagfrüh bzw. in der kommenden Woche erwartet, also simuliert dein Gehirn alle Varianten und versucht verschiedenste Szenarien abzudecken. Eine ungewisse Woche verursacht mehr Stress als volle, aber klare Woche. 
  • Die letzte Arbeitswoche ist nicht abgeschlossen: Der Freitag ging zwar irgendwann zu Ende, aber du hast die letzte Arbeitswoche nie bewusst abgeschlossen und damit auch keinen richtigen Abstand von der Arbeit gewonnen.
  • Das Wochenende war nicht erholsam: Dein Wochenende war voll und du hast dich nicht wirklich erholt. Und jetzt steht schon wieder die nächste Arbeitswoche an, oft verbunden mit weniger Schlaf und insgesamt weniger Zeit für Erholung. 
  • Dein Job belastet dich: Wenn du deinen Job nicht mehr magst, dein Arbeitspensum regelmäßig zu hoch ist, das Arbeitsklima schlecht ist oder Konflikte im Team oder mit einer Führungskraft dir jede Arbeitswoche verderben und dich stressen, dann ist Sonntagsangst eine verständliche Reaktion auf die antizipierte Belastung. 

Was gegen Sonntagsangst hilft

Um Sonntagsangst langfristig loszuwerden ist es notwendig bereits während der Woche Maßnahmen zu ergreifen. Direkt am Sonntag gibt es zwar auch Möglichkeiten für unmittelbare Erleichterung, aber dauerhaft wird sie so nicht vergehen. Tatsächlich entsteht sie oft schon während der Woche. Je schlechter deine Erholung, je voller deine To-do-Liste und je weniger Kontrolle du über deine Arbeit empfindest, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass dein Gehirn den Sonntagabend als Startsignal für Stress interpretiert.

4 Ideen, was am Sonntagabend hilft

Wenn du mitten drin steckst, brauchst du etwas, was sofort Erleichterung bringt:

(1) Schreib die belastenden Gedanken auf

Nimm dir ein Blatt Papier zu Hand und schreib alles auf, was dir bei dem Gedanken an die Arbeit in den Sinn kommt. Das Ergebnis muss keine eine bestimmte Struktur haben, sondern du lässt einfach alles raus. Das ist für die Gefühle, da schon die Formulierung unserer Gedanken und aufgekommenen Gefühle diese wieder beruhigen.

Geh danach die Liste noch einmal durch und markiere die Punkte, die eigentlich Aufgaben sind. Die bekommen einen zweiten Durchgang: Was genau ist die Aufgabe bzw. der erste Schritt, wann möchtest du sie angehen. Das hilft dabei, dass dich offene Aufgaben nicht weiter belästigen.

(2) Nimm dir eine bewusste Grübelzeit

Denke bewusst über alles nach, was innerlich aufpoppt, aber begrenze es auf eine Zeitspanne von etwa 10 - 30 Minuten. Sollten danach wieder arbeitsbezogene Gedanken aufkommen, schiebst du sie bewusst weg, ohne sie zu bekämpfen: bemerken, auf einem Zettel notieren, weitermachen.

(3) Bewege dich in der Natur

Bewegung - am besten draußen in der Natur - ist eines der wirksamsten Mittel gegen Grübeln und ungute Gefühle und es hat außerdem noch viele weitere positive Effekte. Nutze also diese Möglichkeit, wann immer es geht.

(4) Plan dir für den Montag eine Sache ein, auf die du dich freust

Es muss nichts Großen sein, aber die Vorfreude auf ein schönes Ereignis kann die Montagsangst reduzieren.

6 Maßnahmen, die während der Arbeitswoche helfen

Das Unbehagen oder Angst vor der Arbeitswoche hat - wie wir gesehen haben - verschiedene Gründe. Was dagegen hilft ist daher ebenso vielfältig. Bewährt haben sich insbesondere folgende Maßnahmen:

(1) Mehr Erholung während der Arbeitswoche

Plane auch schon während der Woche genug Erholung ein. Erholungseffekte vom Wochenende (und auch vom Urlaub) verpuffen leider schnell - du kannst dich nicht auf Vorrat erholen.

Durch mehr Erholungszeit unter der Woche verhinderst du nicht nur, dass du am Freitag völlig erschöpft ins Wochenende startest, sondern die Arbeitswoche verliert so auch an Schrecken.

(2) Positive Erlebnisse und Selbstbestimmung nicht nur am Wochenende

Das geht in eine ähnliche Richtung wie Vorschlag 1. Es ist wichtig, dass wir nicht alles "was gut ist" nur ins Wochenende packen, denn sonst ist es sehr nachvollziehbar, dass wir den Rest der Woche am liebsten meiden möchten. Als entscheidend für die bessere Stimmung am Wochenende haben sich in einer Untersuchung von Ryan, Bernstein & Brown (2010) die Aspekte Autonomie und Verbundenheit herausgestellt. D.h. sorge dafür, dass du auch an Arbeitstagen soweit wie möglich selbst bestimmst wie du deine Zeit verbringst und dass du genügend angenehme soziale Kontakte hast.

(3) Regelmäßige Aufsteh- und Schlafenszeiten passend zu deinem Chronotyp

Versuche deinen Alltag so gut es geht an deinen Chronotypen anzupassen und vermeide am Wochenende zu sehr von deinen üblichen Aufstehzeiten abzuweichen, denn das bringt deine Rhythmus durcheinander. Dadurch fällt dir das Schlafengehen am Sonntag und das Aufstehen am Montag noch schwerer.

(4) Wochenplanung für mehr Klarheit

Wenn du weißt, was dich in der kommenden Woche erwartet und du schon ein Plan hast, wie du alles gut bewältigst, reduziert das Unsicherheit und damit Stress. Es wird auch viel unwahrscheinlicher, dass Arbeitsgedanken am Wochenende auftauchen, vorausgesetzt du machst deine Wochenplanung bereits unter der Woche.

(5) Bewusster Abschluss der Arbeitswoche

Nimm dir am Ende der Arbeitswoche Zeit und schreib noch Offenes auf und lege fest, womit du am Montag wann und wie startest. Das lässt sich auch sehr gut mit einer regelmäßigen Wochenplanung verbinden.

(6) Veränderung deiner Arbeitssituation

Wenn deine Arbeitssituation zu einer dauerhaften Belastung geworden ist, braucht es mehr als die zuvor genannten Maßnahmen. Es wird dann Zeit über eine Veränderung nachzudenken. Das muss nicht gleich eine Kündigung sein, sondern auch in diesem Fall gibt es verschiedene Ansatzpunkte. Ein erster Schritt ist eine ehrliche Bilanz: Bekommst du für deinen Arbeitsaufwand genug zurück an Anerkennung, Sicherheit und Perspektive?

Wann Sonntagsangst ein Warnsignal ist

Wenn du merkst, dass du jeden Sonntag starke Angst, vielleicht sogar Panik hast, dann solltest du dieses Warnsignal sehr ernst nehmen und dir professionelle ärztliche und/oder psychotherapeutische Hilfe suchen. Und auch wenn du merkst, dass Gedanken an deine Arbeit, dich immer mehr belasten (nicht nur ab und zu am Sonntag), ist das ein Zeichen, dass es um mehr geht als "nur" Sonntagsangst.

Fazit: Sonntagssangst ist belastend, aber es gibt Wege hinaus

Wann genau Sonntagsangst zur Belastung wird ist individuell. Fest steht es kostet dich wertvolle Erholungszeit, wenn dein Sonntag durch Gedanken an die Arbeitswoche und damit verbundene negative Gefühle verdorben wird.

Finde dich daher nicht damit ab, sondern teste die vorgeschlagenen Maßnahmen in der Akutsituation sowie die Schritte zur Vorbeugung wie mehr Erholung und positive Erlebnisse während der Arbeitswoche, einen bewussten Arbeitsabschluss und Wochenplanung. Wenn du merkst, dass die Sonntagsangst einfach nicht weggeht, ist es vielleicht Zeit für eine größere Veränderung oder auch professionelle Unterstützung.

Quellen - Zum Nach- und Weiterlesen

      • Chandola, T., Ling, W., & Rouxel, P. (2025). Are anxious Mondays associated with HPA-axis dysregulation? A longitudinal study of older adults in England. Journal of Affective Disorders, 389, 119611. https://doi.org/10.1016/j.jad.2025.119611
      • Kunz-Ebrecht, S. R., Kirschbaum, C., Marmot, M., & Steptoe, A. (2004). Differences in cortisol awakening response on work days and weekends in women and men from the Whitehall II cohort. Psychoneuroendocrinology, 29(4), 516–528. https://doi.org/10.1016/S0306-4530(03)00072-6
      • Ryan, R. M., Bernstein, J. H., & Brown, K. W. (2010). Weekends, Work, and Well-Being: Psychological Need Satisfactions and Day of the Week Effects on Mood, Vitality, and Physical Symptoms. Journal of Social and Clinical Psychology, 29(1), 95–122. https://doi.org/10.1521/jscp.2010.29.1.95
      • Sunday Scaries – wie du die Angst vor Montag überwindest (2023). Abrufbar unter: https://hellobetter.de/blog/sunday-scaries/

Häufige Fragen zur Sonntagsangst

Ist Sonntagsangst normal?

Sie ist verbreitet und in einer belastenden Phase eine nachvollziehbare Reaktion. Wenn sie jede Woche auftritt und dein Wochenende regelmäßig verkürzt, lohnt ein genauerer Blick auf die Ursachen.

Was tun, wenn die Sonntagsangst jede Woche kommt?

In diesem Fall helfen keine kurzfristigen Maßnahmen mehr, sondern es macht Sinn dir deine Arbeitswoche genauer anzusehen und dort Anpassungen vorzunehmen. Hilfreiche Veränderungen können sein:

  • Mehr Erholung während der Arbeitswoche
  • Mehr positive Erlebnisse und Selbstbestimmung unter der Woche
  • Regelmäßige Aufsteh- und Schlafenszeiten passend zu deinem Chronotyp
  • Wochenplanung für mehr Klarheit
  • Bewusster Abschluss der Arbeitswoche

Wenn das alles nichts hilft, wird es vermutlich Zeit für eine größere Veränderung.

Wie kann ich Sonntagsangst vermeiden?

Sonntagsangst ist grundsätzlich ein Signal, das du ernstnehmen solltest. Du sollst es daher gar nicht "vermeiden", sondern deinen Arbeitsalltag so anpassen, dass dich dein Kopf und Körper am Sonntag nicht vor Montag warnen muss.

Ab und zu keine Lust auf die Arbeit zu haben, ist hingegen völlig normal und kein Grund zur Beunruhigung.

Hilft es am Sonntag schon etwas vorzuarbeiten?

Nur in Ausnahmesituationen, beispielsweise vor einer längeren Abwesenheit, damit dich eine bestimmte Aufgabe nicht verfolgt. 

Vorarbeiten verkürzt dein Wochenende und verhindert, dass du von der Arbeit richtig Abschalten kannst,  was du für echte Erholung brauchst. Besser ist es einen konkreten Plan zu machen, wie du deine Aufgaben in der kommenden Woche erledigst.

Quellen - Zum Nach- und Weiterlesen

  • Breus, Michael (2017): Gutes Timing ist alles. Der richtige Zeitpunkt für Schlaf, Essen, Sex und fast alles andere. München: Goldmann.
  • Hur, Yoon-Mi / Bouchard Jr, Thomas J./Lykken, David T. (1998): Genetic and environmental influence on morningness–eveningness. Personality and Individual Differences,
    Volume 25, Issue 5, 1998, S. 917-925.
    https://doi.org/10.1016/S0191-8869(98)00089-0
  • Roenneberg, Till (2018): Wir wir ticken. Die Bedeutung der Chronobiologie für unser Leben. Köln: Dumont.
  • Salfi, Federico et al. (2022): The fall of vulnerability to sleep disturbances in evening chronotypes when working from home and its implications for depression. Scientific Reports, 12, 12249.
    https://doi.org/10.1038/s41598-022-16256-6

  • Scott, Ellen (2024): These are the work trends I predict will be big in 2024. New year, new attitudes to work (I hope). Veröffentlicht 01/2024.
    https://workingonpurposenewsletter.substack.com/p/these-are-the-work-trends-i-predict
  • Scott, Ellen (2024): How to start chronoworking. Because I should probably have a standalone post for the term I made up. Veröffentlicht 05/2024.
    https://workingonpurposenewsletter.substack.com/p/how-to-start-chronoworking
  • Vitale, Jacopo A. et al (2017): Sleep quality and high intensity interval training at two different times of day: A crossover study on the influence of the chronotype in male collegiate soccer players. Chronobiology International, 34(2), S. 260–268.
    https://doi.org/10.1080/07420528.2016.1256301

 

Foto von Iris Klawatsch
Wer schreibt hier?

Iris Klawatsch, akademisch geprüfte psychosoziale Beraterin mit Fokus auf Neurowissenschaft.
25 Jahre Berufserfahrung in unterschiedlichen Branchen und 2 weitere Studien.  

Ich unterstütze vielbeschäftigte Menschen mit überlangen To-Do-Listen ihren individuellen Weg zu persönlicher Produktivität mit Wohlfühlfaktor zu finden.

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